Blumensprache
der Liebe
"Laßt Blumen sprechen" oder "etwas durch die Blume sagen" oder
sich "blumig ausdrücken" - diese geflügelten Worte zeigen
die Bedeutung der Blumen in unserer Sprache. Auch: "Vielen Dank für
die Blumen" (eine verblümte Kritik) oder "etwas unverblümt aussprechen"
sind Redensarten, die man kennt.
Doch besondere Bedeutung hat die Blumensprache in Liebesbeziehungen.
Früher hatten Liebende nicht so wie heute die Möglichkeit,
sich ungezwungen zu treffen - es ging züchtig zu. Und so legten sie
also ihre innigsten Geständnisse, Klagen, Wünsche und Bitten
in ihre Blumensträuße. Die Blumen waren der Code für das,
was man sagen oder fragen wollte, aber nicht auszusprechen wagte
(in der heutigen modernen Zeit ist kaum noch vorstellbar, daß
man etwas nicht zu sagen wagte, oder vielleicht doch?). Wer die Blumensprache
beherrschte, konnte sehr beredt seine(n) Liebste(n) überzeugen,
ganz ohne Worte.
Ein Strauß aus Chrysanthemen, Farn, Geissblatt, Gladiole,
Geranie und einer leicht überfälligen Rose bedeutete "Sei nicht
so stolz! Lass mich hoffen, denn ich bin noch frei. Ich mache nicht gern
viele Worte. Drum triff mich an der bekannten Stelle in einer Stunde".
"Laßt Blumen sprechen" oder "etwas durch die Blume sagen"
oder sich "blumig ausdrücken" - diese geflügelten Worte
zeigen heute noch die Bedeutung der Blumen in unserer Sprache. Wir müssen
heute aber kein "Blatt mehr vor den Mund nehmen", wenn wir reden.
Wenn wir uns verabreden wollen (früher zu einem "Rendezvous", heute für ein "Dating"), schicken wir eine SMS von Handy zu Handy
- schon ist die Sache geregelt. Dabei kann man sogar kleine Bildchen
von Blumen verschicken. Die muss man nicht pflücken, kaufen, ins Wasser
stellen und pflegen. Selbst am Tag der Liebe – dem Valentinstag –
laufen SMS-Grüße der Botschaft per Blumenstrauß
den Rang ab.
Doch für Nostalgiker hier etwas mehr zur Blumensprache...
Wie kam es zu dieser Kommunikation mit Blumen?
Lady Mary Wortley Montagu reiste Anfang des 18 Jahrhunderts in den - damals
"in Mode" kommenden - Orient und berichtete über die Kommunikation
per Blüten in ihren "Briefen aus dem Orient" ; es heißt,
daß diese Veröffentlichung dann die neue Mode der Kommunikation
mit Blumen (damals noch nicht "Blumensprache" genannt) auslöste.
Vorher wurden Blumen in Europa zwar bereits als Zeichen der
Liebe und Galanterie geschenkt, doch von nun an gewannen Blumensträuße
eine nie geahnte Verfeinerung. Blumensträuße aus einer Art waren
vor Mitte des 19. Jhdts. nicht üblich - so entstand ein umfangreiches
Zeichensystem, fast so kompliziert wie eine Fremdsprache. So wie verschiedene
Blüten miteinander kombiniert wurden, änderte sich auch die Bedeutung.
Dichter, Komponisten und Maler benutzten Blumen in ihren Werken als Symbol;
viele Blumenstilleben des 17. Jhdts. sind deshalb mit Kenntnis der Blumensymbolik
besser zu verstehen.
"Was laut nicht der Mund, der bewachte, darf sagen, das
waget die Huld sich in Blumen zu klagen"
(aus einem Lied von Franz Schubert )
Jede Blumensorte, jede Schleifenbindung am Strauß, ob hängende
Blüten oder aufrecht stehende – alles hatte eine Bedeutung. Manche
Bedeutungen waren so präzise, daß beispielsweise die Bitte
um ein Rendezvous verwelkende Rosen für die erste Stunde vorschlugen,
die Vanilleblume (Heliotrop) für die zweite usw. Alles hatte
seine feinsinnige Bedeutung - eine nach rechts gebundene Schleife meinte
den oder die Beschenkte, nach links gebunden galt die jeweilige Aussage
dem Geber. Nach unten gerichtete Blüten kehrten den Inhalt der Aussage
ins Gegenteil um!
Im viktorianischen Zeitalter ließ
der Mann seiner Auserwählten zum Ball Ansteckblumen überbringen.
Erhielt er das Blumenbouquet zurück, war das schon eine Absage:
"ich bin nicht interessiert". Aber dann kam es noch darauf an, wie die
Empfängerin, behielt sie es, das Bouquet zum Ball trug: im Haar
bedeutete auch: "Es gibt für uns keinen Weg, zusammen zu kommen",
an die Brust gesteckt : "Ich bin interessiert, aber ich habe noch jemanden
anderes im Auge". Nur wenn sie es über dem Herzen ansteckte, konnte
er hoffen, denn das hieß: "Ich liebe dich auch".
"Solange es Garten- und Pflanzenliebhaber gibt, kann sie [die
Blumensprache] das Leben auf amüsante Weise bereichern" (Wimmer).
Teil II : vielleicht haben Sie ja Spaß an einer nostalgischen
Rückschau - hier geht`s zum Blumensprache
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