Zauberpflanze Cichorium intybus Wegwarte
Blaue Distel, Faule Gretl, Gewöhnliche Zichorie, Hansl
am Weg, Hindläufte, Kaffeekraut, Rattenwurz, Sonnenbraut, Sonnenwedel,
Sonnenwendel, Sunnewirbel, Verzauberte Jungfrau, Wegleuchte, Wilde Endivie,
Zichorie, Zigeunerblume
Blume des Jahres 2009
Eine handtvoll Wegwart in wasser gesotten
vnd getruncken
führt aus die gallen vnd weissen schleim durch
den stuhlgang...
Ein decoction gemacht auss dem kraut vnd wurtzel
mit wein oder wasser
vnnd warm gedruncken
eröffnet die Leber vnd Miltz
soll genützt werden im anfang der Wassersucht
vnd Cachexia.
Solches vermag auch das gebrannt wasser
vnnd ist trefflich gut zu dem hitzigen Magen
zu allen brennenden Febern
vnnd schwachheit des Hertzens getruncken..
dienet auch zum hitzigen Podagra...
(Hieronymus Bock)
Erste schriftliche Überlieferungen zur Wegwarte einer typischen
Ruderalpflanze an Wegrändern und auf Schuttplätzen, aber auch
beliebt in Bauerngärten) findet man in ägyptischen Papyrustexten
aus dem 4. Jahrtausend vor Christus. Den Namen "Hindtläufte" deutete
man so, daß die Pflanze an Wildpfaden wächst (Hindin, Hirschkuh).
Um diese, immer wieder in Märchen, Liedern und Gedichten
auch als "Blaue Blume der Romantik" besungene Blume rankt sich eine schöne
Legende, die sich auch in zahlreichen Gedichten
widerspiegelt.
Die Geliebte eines jungen Ritters, der an einem Kreuzzug teilnahm,
wartete am Wegrand vor dem Stadttor mit ihren Hofdamen auf seine Rückkehr.
Doch der untreue Ritter kam nicht mehr zurück. Auch als sie schon
nicht mehr an eine Rückkehr des Ritters glaubten, weigerte sich das
Burgfräulein, die Hoffnung aufzugeben. Und so konnte man diese kleine
Gruppe noch lange Tag für Tag vor dem Stadttor warten sehen. Schließlich
hatte der Himmel ein Einsehen. Das Burgfräulein wurde mit seinen Hofdamen
in Blumen - Wegwarten - verwandelt, wobei die Hofdamen in blaue und die
unglückliche Geliebte in eine weiße Wegwarte verwandelt wurden.
Nach dem 1. Weltkrieg allerdings erscheint in Sagenfassungen der
Geliebte dann nicht als untreu, sondern als im Krieg gefallen.
So erklärte man sich die Entstehung der Wegwarte und die Tatsache,
dass man neben den üblichen blauen auch gelegentlich mal eine weiße
antreffen kann.
Die bis 1 Meter hohe, stark verästelte Wegwarte ist eine wilde
Verwandte des Chicorée-Salates. Sie blüht im Sommer von Juli
bis September, öffnen sich in den Vormittagsstunden und wenden sich
der Sonne zu. Aus dieser Beobachtung heraus wird die Pflanze im Volksmund
auch als Sonnenwendel bzw. Sonnenwedel bezeichnet. Am frühen Nachmittag
schließen sie sich. Die Wegwarte wird auch ins Kräuterbüschel
eingebunden.
Die Hauptwirkstoffe der Wilden Zichorie sind Inulin, Cholin, Zucker
und verschiedene Bitterstoffe. In ihrer Gesamtheit wirken diese Stoffe
anregend auf unsere innern Organe: Leber und Blase, Magen und Darm, Galle.
Man verwendet das Kraut (Herba Cichorii) und die Wurzel (Radix Cichorii)
auf die inneren Organe als anregend auf Leber, Blase, Magen, Darm
und Galle. Sie wird in der Bachblütentherapie angewandt; dort hilft
sie Menschen, die ständig besorgt sind um ihre Angehörigen und
Bekannten. Äußerlich wird die Wegwarte zur allgemeinen Reinigung
bei Hautkrankheiten und Ekzemen angewendet. Die frische oder getrocknete
Wurzel wird dazu gereinigt und klein geschnitten. Ein zwar bitteres, aber
wirksames "Kräftigungsmittel" ist ein Tee, den man aus Wegwarten-,
Pfefferminz- und Löwenzahnblättern zubereitet.
Bekannt ist die "Zichorie" vielen Menschen als Zutat in Kaffee-Ersatzmischungen
- als "Zichorienkaffee" vor allem in Kriegszeiten (neben der Wurzel von
Chicoree verwendet). Die vor der Blüte geernteten Rosettenblätter
schmecken fein gehackt auf Butterbroten oder gedünstet als Gemüse;
die gekochte Wurzel in Saucen.
Bei Gewittererwartung pflückte man kleine Gewitterblumen wie
Alpenrose, Ehrenpreis, Männertreu, Glockenblumen und eben auch dieWegwarte,
um sich zu schützen.
Wegwarte läßt sich gut mit Königskerze und Brennessel
verräuchern.
In der Blumensprache läßt sie verlauten - wie soll es anders
sein: "Ich warte auf Dich - ewig"...und zählt deshalb - zumindest
symbolisch - zu den Liebespflanzen.
Weitere
zauberhafte Büchertipps
Linktips
Rezept:
Pickelessig aus der Wegwarte
Gedichte
über die Wegwarte
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