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Unseren Vorfahren erschien die immergrüne Pflanze geheimnisvoll,
da sie so hoch oben in den Bäumen wuchs. Weil sie so geheimnisvoll
waren, sollten die Misteln auch über zauberhafte Kräfte verfügen.
Man glaubte, daß sie vor Feuer schützen könne und hängte
sie deshalb an die Hauswand, damit sie Hexen und böse Geister am Eintritt
hindere. Man glaubte auch, daß Misteln - ebenso wie vierblättrige
Kleeblätter oder Hufeisen, Glück bringen, aber nur demjenigen, der sie zum Geschenk erhält, nicht wenn man sie sich
selbst kauft! Die gegabelte Form der Zweige machte sie zum Vorbild der
Wünschelrute.
Es existieren zahlreiche Legenden und Mythen um die Mistel.
In der griechischen Mythologie wird die Mistel wegen ihrer narkotisch-psychoaktiven
Eigenschaften erwähnt: Wahrscheinlich ist sie die "Goldene Zauberrute"
des Äneas, der mit ihrer Hilfe in die Unterwelt eindrang.
In der der altnordischen "Edda-Sage" heißt es, der Lichtgott
Baldur habe Träume von seinem bald bevorstehenden Tod gehabt und deshalb habe die Göttermutter Freya allen Erdenwesen das Versprechen
abgenommen, Baldur nicht zu verletzen. Nur ein Wesen, welches kein richtiges
Erdenwesen war, wurde hierbei vergessen: die Mistel. Der Feind der Asen,
Loki bemerkte dieses Versehen. Er gab dem blinden Gott Hödur einen
Mistelzweig in die Hand und wies ihm die Richtung Baldurs. Dieser stürzte,
von Hödurs Mistelzweig tödlich getroffen zu Boden.
Für die Druiden - Hohepriester in Gallien und in Britannien- sozusagen unsere eisenzeitlich-keltischen Vorfahren (siehe Buchtipps
unten) - war die Mistel die heiligste aller Pflanzen.
Sie sahen sie als ein Zeichen der Götter an, welches den Menschen
mitteilte, daß sie selbst im Baum anwesend seien. Die Druiden schnitten
sie deshalb nur im Rahmen eines Gottesdienstes
und nur mit einer goldenen Sichel ab, wobei darauf geachtet wurde,
daß sie nicht zur Erde fiel, sondern in einem weißen Tuch aufgefangen werden konnte. Sie
erklärten die nach ihrer Ansicht für alle erdenklichen gesundheitlichen
Bedürfnisse der Menschen nützliche Mistel zur unverzichtbaren
Zutat ihres kräftestärkenden "Zaubertranks". (Wer die Gallier
"Asterix und Obelix" kennt, der weiß auch, worauf das für die
Römer dann hinauslief!). Schließlich verteilten Druiden die
Mistelzweige über der Haustür als Schutz gegen böse Geister.
Im Christentum schließlich soll sie der Baum gewesen sein soll,
aus dessen Holz das Kreuz gemacht war, an dem Christus starb. Vor Schande
soll der Baum eingetrocknet sein, um sich in eine Pflanze zu verwandeln,
die allen Gutes bringt, die unter ihr hindurchgehen.
Als Symbol des Friedens versöhnten sich Feinde unter der Mistel
und gaben sich den Friedenskuss.
In der Kunst taucht die Mistel im Jugendstil sehr oft als Motiv
auf.
Die
Mistel in der Heilkunde
Im Mittelalter gehörte sie zu den wichtigsten Heilpflanzen, und
nachdem sie jahrzehntelang "verteufelt" war, bestätigt die moderne
Medizin - auch die Schulmedizin - heute die Heilfähigkeiten der Misteln.
Lange Zeit war die Mistel im empirisch-medizinischen Bereich zur Behandlung
der Fallsucht in Gebrauch, in Form von Teedrogen hat sie sich bis heute
in der Behandlung milder Formen der Hypertonie bwährt. Misteln enthalten
Stoffe, die den Blutdruck senken und die Gefäßverbreiterung
fördern. Deshalb gewinnt man diese Stoffe auch für Medikamente
gegen Arteriosklerose. In Deutschland gibt es zahlreiche Fertigarzneien
mit Mistel. Der Anthroposoph Rudolf Steiner schließlich beschrieb
die Mistel als erster als möglicherweise für die Behandlung von
Krebs geeignete Heilpflanze.
Wurzelsepp
Mistel Kräutertropfen
Mistel Kräuter Tee
Räucherwerk: Mistel /
Die Tanne duftet,
die Stechpalme glänzt,
Und vom Balkonknauf, weißbeerig sie,-
Lauscht die Mistel nieder,
die Schelmin, die!
(Ferdinand Freiligrath)
Die Mistel im Garten und in der Botanik
Man kennt drei Unterarten von Misteln:
Die einen gedeihen nur auf
Laubbäumen, die erste bevorzugt Laubbäume, die zweite Tannen,
die dritte Kiefern. Viscum album, die Laubholzmistel, ist die einzige
Art mit rein weißen Beeren und weißen Samen. Umgekehrt wie
bei den "Landpflanzen", deren Sproßspitzen nach oben wachsen und
Wurzelspitzen nach unten, streckt die immergrüne Mistel wie losgelöst
von Himmel und Erde ihre Zweige ganz gleichmäßig in alle Richtungen
und so kommt es zu der typischen Kugelform.
Im Winter, wenn die Laubbäume ihr Blätterkleid verloren
haben, sieht man sie schon von Weitem als ein "Geästball" in vielen
Bäumen, dabei werden sie oft mit Vogelnestern verwechselt.
Sie zählt zu den Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen Pflanzen
wachsen) und ein sogenannter Halb-Parasit. Die grünen Blätter
enthalten zwar Chlorophyll und können Photosynthese betreiben, die
Versorgung mit Kohlenhydraten ist also gesichert, Wasser und Mineralstoffe
entzieht sie aber dem Baum - mehr
dazu hier.
Das lateinische Wort viscum bedeutet "Klebstoff" (daher kommt das
Wort "Viskose").
Auch ihre Vermehrung ist nicht alltäglich: Die Beeren enthalten
einen zäh-klebrigen, kautschukartigen Schleim, der dann am Schnabel
der Misteldrosseln, die - wie der Name es sagt - besonders für
diese Früchte schwärmen, festpappt. Nach dem Schmaus haben sie
dann das dringende Bedürfnis ihre klebrigen Schnäbel an Ästen
zu wetzen. Dabei heften sie den Samen in luftiger Höhe gleich an die
durchs leichte Einritzen vorpräparierte richtige Stelle und der grüne
Keim wächst.
Jürgen Dahl schreibt in Nachrichten
aus dem Garten, wie man im Garten Misteln ziehen kann:
Man braucht dazu möglichst frische und viele Früchte.
An einem trockenen Dezembertag zerdrückt man sie zwischen zwei Fingern
und klebt den Samen mit dem ihm anhaftenden zähen Schleim an die Rinde
einjähriger Zweige; am besten wickelt man den Schleimfaden ein paar
mal um Samen und Zweig herum. Binnen Stunden trocknet der Schleim und hält
den Samen fest. .....Im März wächst aus dem Samen ein am Ende
verdicktes Füsschen und krümmt sich sogleich zum Ast hin; sobald
sein Ende die Rinde berührt, erweitert es sich zu einer Haftscheibe,
aus der der erste Senker in den Ast eindringt. Ein Jahr verharrt der Mistelkeimling
so ....Erst im nächsten Frühjahr richtet sich dieses Ende auf,
die Keimblätter entfalten sich, fallen aber bald ab, wenn das erste
Laubblattpaar sich bildet. Von da an wächst die Mistel Jahr für
Jahr in immer paariger Verzweigung etagenweise".
Sollten sie (durch Vögel verbreitet) allerdings zu stark auftreten,
sollte man vielleicht "Druide spielen"...
Blüten
und Pflanzenteile Mistel zum Räuchern
Mistel-Büchertipps
- Mistel
Eine Heilpflanze befreit aus Erdenschwere von Christina Kiehs-Glos
Urachhaus 2004
- Unsere
Misteln von Fritz Stopp 75 S. Westarp Wissenschaften 2002
- Mistel
von Hans Becker, Helga Schmollgen Wissenschaftliche Verlagsges. 1986
- Die
Mistel in der Tumortherapie von Rainer Scheer, Rudolf Bauer, Hans Becker Kvc 2001
- So
wirkt die neue Mistel-Therapie bei Krebs von Günther Stoll Trias 1999
- Die
Mistel von Annette Bopp Rowohlt 1999
- Die
Mistel in der Onkologie Kienle, Gunver S. u. Helmut Kiene
749 S. Schattauer 2003
- Natürlich
gesund mit der Mistel. Wiederentdeckung einer alten Heilpflanzevon
Hanspeter Hemgesberg / Dytha Mund 88 S. Midena 1998
- Nuytsia
floribunda und Viscum album Göbel, Thomas Freies Geistesleben
2004
- Zur
Bedeutung von Misteln im Forstschutz von Thomas Janssen 142 S. Blackwell Wissenschafts-Verlag 1999
Sagen - Büchertipps
Keltische
Sagen
- Die
Druiden. Mythos, Magie und Wirklichkeit der Kelten von Francoise LeRoux,
Christian-J. Guyonvarc
- Die
Druiden. Gesellschaft und Götter der Kelten von Jean Markale u.
Wieland Grommes
- Kelten,
Druiden und König Arthur. Mythologie der Britischen Inseln von
Geoffrey Ashe
- Keltischer
Schamanismus. Rituale, Symbole, Traditionen von John Matthews
Linktipps:
Misteln in der Krebstherapie
Mistel & Co.
in der Krebsmedizin von Ralf Kloppenborg und Manfred D.Kuno (Berlin)
Großmutter
Annas Spezialhonig zum Beruhigen blank liegender Nerven
Mehr zum Parasitismus
Geschenktipp:
Zinnfigur Mistelzweig
Aktualisiert am 26.06.2010 |