Tulpen Tulipa Geschichtliches, Tulpenwahn, Rembrandt-Tulpen, Blumensprache
Die Tulpe stammte ursprünglich aus der Türkei. "Tulpe"
heißt die Pflanze übrigens, weil so ihr Spitzname im Türkischen
lautete: tülbent war das Wort für eine alte türkische Kopfbedeckung,
die ganz ähnlich aussieht wie die Blume. Es ist keine Zauberpflanze
im üblichen Sinne, aber ihre Geschichte ist "zauberhaft"...
Die ersten Tulpenzwiebeln soll einer schönen Legende nach
bereits 1562 ein flämischer Händler zwischen den bestellten
Tuchballen gefunden haben.
Aber er fand keinen Geschmack an ihr und warf sie auf den Misthaufen.
Zufällig sei einige Wochen später ein Hobbybotaniker an diesem
Misthaufen vorbeigeschlendert und habe dort ein voll erblühtes, farbenprächtiges
exotisch anmutendes Gewächs entdeckt.
Geschichtlich eher nachzuweisen ist
jedoch, daß der Franzose Charles de L’Écluse (lateinisch
Carolus Clusius) sie im Jahr 1593 in die Niederlande gebracht hat (nach
Clusius benannt ist die "Tulipa clusiana"). Er hatte sie von Ogier Ghislain
de Busbecq (1555 bis 1562 österreichischer Botschafter in der Türkei),
bekommen, als er noch für die Gärten des Habsburger Kaisers Ferdinand
I. verantwortlich war. Die Universität Leiden wurde auf
ihn aufmerksam und so wurde er im Oktober 1593 (im Gepäck "einen geheimen
Vorrat an Tulpenzwiebeln") Präfekt des im Aufbau begriffenen "Hortus
Botanicus"
1630 wurde die erste Papagei-Tulpe beschrieben.
 
Der Tulpenwahn
Die Tulpe entwickelte sich zu einem Statussymbol, wie es heute ein Porsche
sein könnte - und zum Lieblingsobjekt von Spekulanten.
Blumenmoden hat es viele gegeben im Laufe der Jahrhunderte - doch mit der
Begeisterung für die Tulpe ist nichts ver-gleichbar . In der Zeit
von 1633 bis 1637 mit der zehn- bis hundertfachen Menge Goldes gehandelt,
aus der "Tulipan" wurde eine Tulipanomanie, die Zeit des Tulpenwahnsinns.
Die Aussicht auf fette Gewinne lockte letztere in die Wirtshäusern
Hollands (Niederlande), den "Börsen" des damaligen Tulpenhandels. So schwelgte ganz
Holland vom Dienstboten bis zum Patrizier, ja bis hin zum hochangesehenen Maler
Rembrandt, in der "Tulpomanie". Wo das Geld für eine ganze Zwiebel
nicht reichte, erwarb man eben nur einen geringen Anteil daran. Der Bauer
war auch auf eine Achtel-Zwiebel stolz..Schließlich versetzte so
mancher sein gesamtes Hab und Gut. Die Tulpenzwiebeln, die teilweise nicht
einmal real vorhanden waren, sondern noch (angeblich) im Boden schlummerten,
erreichten buchstäblich "haushohe" Preise. Sie wurden übrigens
nicht nach Stückzahl, sondern nach Gewicht verkauft Wer tatsächliche
einige Exemplare im Gartenbeet hatte, dem bereiteten Diebe schlaflose Nächte.
Manch ein Gärtner soll sogar neben seinem Tulpenbeet geschlafen haben-
Eine Zwiebel der berühmten Sorte 'Semper
Augustus' kostete 1633 ca. 5.500 Gulden, 3 Blumenzwiebeln erreichten
1637 gar 30.000 Gulden. Zum Vergleich - ein Amsterdamer Grachtenhaus kostete
damals 10.000 Gulden; Rembrandt erhielt für sein Meisterwerk "Die
Nachtwache" (1642, Rijksmuseum, Amsterdam) ein Honorar von 1.600 Gulden.
So war es billiger, sich die begehrten Objekte von Künstlern
malen zu lassen, als sie zu kaufen.
Als das Angebot dann größer war als die Nachfrage, fiel
der Markt zusammen. 1637 fand in Alkmaar die schicksalhafte Auktion statt,
bei der die Tulpen zum letzten Mal Höchstpreise erzielten.- sie gilt
als erster Börsencrash der Geschichte und bis heute nennt man
in Wirtschaftskreisen den traumhaften Wertanstieg von Aktien und ihren
abrupten Fall "Tulpenfieber". Für viele Menschen kam der finanzielle
Ruin praktisch über Nacht und die Wirtschaft kam in ganz Holland auf
Jahre zum Erliegen. Zu den Opfern zählte auch der berühmte
Maler
Rembrandt. Der Staat verbot, die Tulpenzwiebel als Wertobjekt zu handein
und untersagte jede weitere Spekulation.
Es noch eine andere "Tulpen-Bankrott-Geschichte"
Im Zusammenhang mit der Tulpe: der Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715)
ließ angeblich jedes Jahr vier Millionen Tulpenzwiebeln importieren
und so heißt, an Tulpen wäre fast ein Staat bankrott gegangen.
Der "schwarze Freitag" von Alkmaar führte allerdings nicht dazu,
dass der Tulpenhandel in Holland abriss. Im Gegenteil: Das Milliardengeschäft
mit den Tulpen blüht. 1661 führte der Kurfürst von Brandenburg
in einer Beschreibung 126 verschiedene Tulpensorten auf. Im
18. Jahrhundert hatten die Tulpen aus den Niederlanden eine solche Berühmtheit
erlangt, daß der türkische Sultan Ahmed III. Tausende davon
importieren ließ. So kehrten die niederländischen „Nachkommen“
der türkischen Tulpen wieder an ihren Herkunftsort zurück...
Die Tulpe wurde zum Nationalsymbol von Holland, zum einen, weil im
Zweiten Weltkrieg aus der Not heraus, Bollen gebraten, gegessen wurden
und damit Tausenden vor dem Hungerstod bewahrt wurden und zum anderen durch
den Schunkelklassiker im Walzertakt " Tulpen aus Amsterdam" - übrigens
eine deutsche Komposition von Ralf Arnie, Text von Ernst Bader. - der nach
dem Krieg um die Welt zog und mit dem Freddy 1956 die Spitze der Hitparade
eroberte. Ob Rudi Schuricke, Heintje, Lolilta, Marianne Rosenberg - etliche
Sänger haben dieses Lied in ihrem Repertoire gehabt. (Auf der Landesgartenschau
Winsen in Luhe 2006 fand das von Monika Grundei und Gabriele Volkmer
modifizierte Lied nach der Melodie "Tulpen aus Amsterdam" sehr viel
Resonanz). "Wenn du mich liebst, schenk' mir eine Tulpe" heißt eine
alte holländische Gärtnerregel.
Heute sind die Niederlände weltweit die Nummer Eins der Blumenexporteure
und kontrollieren 80 Prozent des Tulpenhandels; die Zahl der Tulpenvariationen
wird auf ca. 4 000 Sorten geschätzt.
Die Blumenzwiebeln sind inzwischen preiswert, während die Blumengemälde
aus jener Zeit unbezahlbar sind. Die Tulpe ist immer noch ein beliebtes
Motiv in der Kunst (Gemälde, Glas, Keramik) und bei industriellen
Produktion (Stoffe, Kleidung, Anzeigen).

Duft findet man bei Tulpen selten - aber vor allem bei Tulipa sylvestris, 'Schoonoord', Tulipa
fosteriana 'Orange Emperor' und 'Purissima', Tulipa vvedenskyi.
Rembrandt-Tulpen
Rembrandt-Tulpen haben mehrfarbige Blüten mit fantastischen, lodernden
Flammen ähnelnden Farbverläufen und mit ihren Zwiebeln ließen sich während des Tulpenwahns hohe Preise erzielen, denn
die Menschen der damaligen Zeit waren begeistert von diesen prächtigen
und außergewöhnlichen Blüten. Sie wußten damals
aber nicht, daß diese geflammten Muster durch Viren verursacht werden,
das bedeutet, die Pflanzen waren krank. Das wurde jedoch erst 1928 entdeckt. Das Virus bewirkt, dass sich der Pflanzenfarbstoff Anthozyan, der eigentlich
im gesamten Blütenblatt gleichmäßig verteilt ist, nur noch
in begrenzten Bereichen sammelt. Die Folge sind Streifen oder Flecken und
Farbverläufe, die auch innerhalb einer Sorte stark variieren konnten.
Werden Rembrandttulpen neben einfarbigen Tulpen im Garten gepflanzt und
kommt es zu Wurzelkontakt, so kann sich das Virus verbreiten. Vorher einfarbige
Tulpen können dann auch eine Flammenfärbung bekommen. Viele der
Rembrandt-Tulpen, die es heute im Handel gibt und die Assoziationen
an die alten Blumengemälde aus dem Goldenen Zeitalter wecken, sind
aber dank züchterischer Leistung völlig gesund
 
In der Blumensprache hat die Tulpe widersprüchliche Bedeutung:
sowohl " Du bist zu keiner echten Empfindung fähig" als auch" -
"In meiner Liebe zu Dir fühle ich mich im siebenten Himmel!"
Tulpenzwiebeln im Pflanzenshop / Produkte mit dem Motiv Tulpe
Buchtipps:
Tulpen-Sachbücher
Unterhaltsame Titel rund um die Tulpe
- Adrian,
der Tulpendieb.von Otto Rombach Schuler 2010
Der Torfknecht Adrian aus dem Garten stiehlt aus dem Garten seines Herrn van der Maassen drei kostbare Tulpenzwiebeln - es beginnt für ihn ein rasanter gesellschaftlicher Aufstieg ... Als Gaunerkomödie mit Heinz Reinecke in der Hauptrolle verfilmt.
- Der schwarze Karfunkel: Tulpenfieber Freund, Wieland Beltz 2009
Der Musketier soll die Semper Idem holen, die edle dreifarbige Tulpe, die kaum ein Mensch jemals zu Gesicht bekam...
- Der Tulpen bitterer Duft von Zbigniew, Herbert Insel Frankfurt 1995
Ein Roman, der spannend erzählt, wie eine der schönsten Blumen als Geschenk des Orients nach Europa kam, und wie sich bald eine Manie, die des holländischen Tulpenfiebers im 17. Jahrhundert entwickelte, die sich bis zum Irrsinn steigerte und zum Ruin der Tulpenspekulanten führte.
- Die schwarze Tulpe von Alexandre Dumas Bastei Lübbe 1998
Beim alljährlichen Blumenwettbewerb bekommt derjenige 100.000 Gulden, der eine schwarze Tulpe zu züchten vermag. Cornelius gelingt dieses Wunder schließlich. Doch plötzlich sind alle hinter der seltenen Tulpe her: nicht nur die Leute vom Blumenwettbewerb, auch der böse Herr Boxtel, der die Tulpe für ein fürchterliches Vorhaben benötigt.
- Die Tulpe des Bösen von Jörg Kastner Knaur 2008
Krimi im Amsterdam 1671 zur Zeit des Tulpenfieber
- Tulpen Robert, Nicolas / Arnim Geus 84 S. (Die Bibliophilen Taschenbücher 237) Harenberg Dortmund 1981
Herrliche Tulpen-Porträts des Blumenmalers König Ludwigs XIV von Frankreich - Nicolas Robert; Nachwort von Arnim Geus: Gartentulpen - Geschichte und Ikonographie.
- Tulpenfieber Moggach, Deborah 302 S. Droemer Knaur 2002
Amsterdam, 1636 - eine Stadt im Tulpenfieber, in der sich ein talentierter Maler in eine verheiratete Frau verliebt. Eine tragische Leidenschaft nimmt ihren Lauf...
- Tulpenwahn. Die verrückteste Spekulation der Geschichte von Mike Dash List 2001
Der Autor, Geschichtsdozent an der Universität Cambridge, recherchierte kulturgeschichtliche als auch wirtschaftliche und botanische Fakten und Hintergründe des Tulpenwahns, um sie hier in spannenden Geschichten zu erzählen.
- Tulpen-Wunder Wanderung und Verwandlung einer Blume. Rombach Otto 64 S. m. 12 farb Bildtaf nach alten Stichen Schuler Stuttgart
Prosabeiträge von Otto Rombach (Die Tulpe. Wanderung und Verwandlung) und Emy Pischel (Die Tulpe. Blume des Barock), Gedichte von Josef Weinheber, Georg von der Vring u. Isolde von Conta
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