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Der Legende nach entstand die Lilie, weil Herkules, um unsterblich zu werden, so kräftig an der Brust der
schlafenden Hera/Juno trank, das einige Milchtropfen auf die Erde fielen
und diese sich in die Lilien verwandelten.
Die älteste Abbildung von Lilium candidum stammt von den Minoern der Mittelmeerinsel Kreta. Sie kam mit den Römern
nach England, von dort zu uns und wurde im Mittelalter als heilige Blume
mit der Jungfrau Maria in Verbindung gebracht (daher ihr volkstümlicher
Name).
Lilien gelten als Symbol der Unschuld und Reinheit; sie sind
auf französischen Königswappen zu sehen. Lt. Schöpf galt die Lilie als Gruß
des Todes an den zurückbleibenden Lebenden. Daher kommt die Sage,
daß der Geist des Verstorbenen selbst die Blume auf sein Grab gepflanzt
habe oder daß sie aus den Gräbern unglücklich Liebender
oder unschuldig Hingerichteter sproß. Sie können auch den Mönchen
ihren nahenden Tod ankündigen. "Drei Lilien, drei Lilien, die pflanzt
ich auf mein Grab ... die soll mein Feinstliebster noch einmal sehen" heißt
es in einem Volkslied, das darauf Bezug nimmt.
Plinius und Dioskurides empfehlen sie noch als Heilpflanze. Als der Göttin Hera geweihte Pflanzen wurde sie besonders bei Frauenkrankheiten
angewendet.
Der Wurzelknollen war ein Schutzmittel gegen Verwundung, Zauberei
und Spuk.
Leuchtende Lilien, wie soll im Vers und wie
soll im Liede
Würdig euch preisen die dürftige Kunst meiner nüchternen
Muse?
Euer schimmerndes Weiß ist Widerschein schneeigen Glanzes,
Holder Geruch der Blüte gemahnt an die Wälder von Saba.
Nicht übertrifft an Weiße der parische Marmor die
Lilien,
Nicht an Düften die Narde. Und wenn die tückische Schlange
Listiger Art gesammeltes Gift aus verderblichem Munde
Spritzt und grausamen Tod durch kaum erkennbare Wunde
Sendet ins innerste Herz, dann zerreibe Lilien im Mörser,
Trinke den Saft, dies erweist sich als nützlich, mit schwerem
Falerner.
Oder bei Quetschungen lege man sie auf die bläuliche Stelle,
Alsbald wird man auch hier zu erkennen vermögen die Kräfte,
Die diesem heilenden Stoffe gegeben sind, Wunder bewirkend.
Schließlich sind Lilien auch gut bei Verrenkung der Glieder
Quelle: Walafried Strabo, Über den Gartenbau / De cultura hortorum
Ebenfalls einer Legende nach soll Aphrodite sich über die
Reinheit und Unschuld der Königslilie so geärgert haben, daß
sie ihr einen großen, keulenförmigen Stempel einpflanzte,
der an den Phallus eines brünstigen Esels erinnert. Deshalb wurde
sie als Symbol der duftenden Scham der Liebesgöttin geweiht. Sammelte
man die Madonnenlilie, während Venus mit dem Mond im Sternzeichen
des Stieres oder der Waage steht, so war sie ein vorzügliches Mittel,
um die Liebe eines weiblichen Wesens zu erlangen und wurde dementsprechend
als Liebeszaubermittel und in Liebestränken verwendet. Wusch sich
eine Frau mit Liliensaft, vermischt mit Dorantextrakt, so blieb sie lange
jung und schön.
Friedrich Hebbel schlägt eine Liebesprobe vor:
Laß den Jüngling, der dich liebt, eine Lilie pflücken, ehe dein Herz sich ihm ergibt, um ihn zu beglücken.
Starkduftende Arten und Sorten sind die Königlilie
(regale), ' Lilium African Queen', 'Black Beauty' und Lilium pumilum (tenuifolium), ein Türkenbundtyp mit duftenden, nickenden Blüten und schmalen Blättern. Ihr starker Duft - Geruch - ist allerdings ein Streitfall - was für den einen geliebter betörender Duft, ist für den andern unerträglich stark.
Genießen Sie mit Lilien die Poesie einer Mondscheinnacht,
denn der betörende Duft entfaltet sich abends am stärksten! Und
obwohl eigentlich mehr ein Riechkraut, sind die Blüten eßbare
Dekoration (frisch oder getrocknet) mit herb-würzigem Geschmack und
ein paar frische Blütenblätter zur Soße Bernaise erhebt
diese in den Rang einer Aphro-Soße. Um die aphrodisische Wirkung
zu nutzen, soll es aber auch schon reichen, sich einen blühenden Strauß
(Lilien sind langhaltende Schnittblumen) ins Schlafzimmer zu stellen...
Praktische Tips:
Probleme machen die „Lilienhähnchen"; das sind hübsche
(!) rote, aber sehr gefräßige (!) Käfer. Man muß
sie absammeln und vernichten; dabei fliegen sie blitzschnell weg. Tip:
einen Yoghurtbecher darunter halten und sie dort hineinfallen lassen.
Daß die duftende Madonnenlilie im Spätsommer gepflanzt
werden muß, obwohl sie erst im nächsten Juni und Juli blüht,
ist den wenigsten bekannt; sogar Gartencenter bieten sie viel zu spät
im Jahr an. Anders als die meisten anderen Lilien bildet die Madonnenlilie
nach einer kurzen Ruhepause im Hochsommer einen Blätterschopf, in
dem sie vor dem Winter ihre Kräfte sammelt.
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Aktualisiert am 27.05.2010
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