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Gertrudenkraut, Gnadenkraut, Herbe a la belle Fille, Kreuzraute,Totenkraut
Lachen flattert auf, verweht,
Spöttisch klimpert eine Laute,
Leise eine stille Raute
An der Schwelle niedergeht,
Klingklang! Eine Sichel mäht
(aus: Georg Trakl: Abendlicher Reigen)
Das Gertrudenkraut benannte man nach der Heiligen
St.
Gertrud.
Wer im Mittelalter Rautensaft bei sich trug, war nicht nur gegen
giftige Tiere, sondern auch gegen die Pest geschützt. Wie man heute
weiß, ein durchaus realer Glaube, denn die Pest wird durch Ratten
übertragen und Ratten hassen den Rautengeruch. "Weinrautenessenz "wird
in der von Joanne K. Rowling geschaffenen Magischen Welt Harry Potters
angewandt, um Langzeitfolgen und Nachwirkungen einer lebensgefährlichen
Vergiftung zu behandeln.
Diesen schattigen Hain ziert dunkelfarbiger
Raute
Grünend Gebüsch. Ihre Blätter sind klein, und
so streut sie wie Schirmchen
Kurz ihren Schatten nur hin. Sie sendet das Wehen des Windes
Durch und die Strahlen Apolls bis tief zu den untersten Stengeln.
Rührt man leicht sie nur an, so verbreitet sie starke Gerüche.
Kräftig vermag sie zu wirken, mit vielfacher Heilkraft versehen,
So, wie man sagt, bekämpft sie besonders verborgene Gifte,
Reinigt den Körper von Säften, die ihn verderblich
befallen.
Quelle: Walafried Strabo, Über den Gartenbau / De cultura hortorum
Die Weinraute gehört zu den "Totenblumen".
man verwendet sie in der Küche und zur Stärkung der Augen in
der Heilkunde.
Wenn man die ungewöhnliche Farbe der Sorte 'Jackman's
Blue' mit Vergissmeinnicht noch betont, erlebt man jedes Jahr
ein "blaues Wunder"!
Mönche, die ihr Keuschheitsgebot halten wollten, pflanzten Raute,
das "Gnadenkraut" in den Klostergarten und tranken Rautenwein als Sedativ,
denn schon seit Dodonaeus mäßigt sie die Lust bei Männern.
Dioskurides lobt sie als Abtreibungsmittel. Marzell
berichtet, daß in Paris ein Rautenbeet eine Zeitlang durch ein eisernes
Gitter geschützt war, weil ungewollt schwangere Frauen das Beet plünderten
und führt den französischen Namen "herbe à la belle Fille"
auf ihre Verwendung als Abtreibungsmittel zurück.
Ovid riet Männern, die sich aus einer Liebesbeziehung lösen
wollten und allein nicht die Kraft aufbringen, zu einer Kur mit Raute.
Sie schärfe das Sehvermögen und so entdeckten die dann guten
Augen auch die Mängel der Frau; der Abschied fiele leichter.
Weil sie im Winter grün bleibt, ist sie auch als Brautpflanze
in Gebrauch gewesen.
Im Text eines alten Liebesliedes heißt es:
Dein Angesicht ist lauter Mondenglanz,
das dunkle Mal darauf ist reizend ganz.
Vor bösen Auge bist du wohlbehut:
Das Rautenkraut liegt auf des Feuers Glut.
Als Heiratsorakel wurde folgendes empfohlen:
Flechte einen Kranz aus neunerlei Blumen – darunter die Raute und
wirf ihn am Johannistag ohne zu sprechen rückwärts über
die Schulter auf einen Baum. So oft der Kranz wieder zu Boden fällt,
so viele Jahre wird es noch dauern, ehe du vor den Altar trittst".
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